6.05.2018 Sparkassen Big25 in Berlin – 25Km Barfuß (ver)Lauf

Wenn man glaubt es ist nicht möglich, passiert es doch immer wieder!

Ich habe von meiner Sturwolf-Freundin Sophie eine Freikarte für den Big25 am Olympia Stadion bekommen. Einen Tag vorher viel mir noch zu meiner persönlichen Entsetzung auf, dass ich mich weder um Startunterlagen noch um irgendwas anderes gekümmert habe. Meine Reaktion in diesem Fall ist dann immer: „dann muss es eben so gehen“.

Sonntag Morgen, 6 Uhr. Ich wache auf. Ein paar Momente zur Besinnung kommen und ab auf die Couch. Ich meditiere und komme in den Tag. Entspannt suche ich meine Laufsachen zusammen. Meine Laufhose ist noch nicht trocken von der Handwäsche, die ich um 23 Uhr am Vortag durchgeführt habe. Die Mikrowelle ist ein geeigneter Ort für solche Situationen habe ich gehört. Also versuche ich es und nach gefühlten 20 Mal für jeweils 30 Sekunden in der Mikrowelle ziehe ich sie dann noch etwas feucht an.

Mein Frühstück besteht aus einer kleinen Schale Müsli. Innerlich bin ich recht ruhig und entspannt. Ich fahre zum Olympiastadion. Wesentlich ruhiger, schneller und entspannter ist die Fahrt als ich es dachte.

Als ich dort ankomme bin ich einer der ersten dort. Sicher ist sicher, wenn ich keine Ahnung habe, ob ich meine Startnummer noch bekomme, will ich wenigstens früh genug da sein um allen Eventualitäten entgegen zu gehen.

Als ich alles geholt habe suche ich ein bisschen Entspannung. Ich setze mich auf eine Bank und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Augen sind geschlossen. Ich gehe nochmal in mich.

Die erste Whatsapp Nachricht erscheint. Mein Freund Alex meldet sich und fragt mich, wo ich dort bin. Wir treffen uns und sofort bekomme ich die nächste Nachricht, nun kommt auch noch Jeff dazu.

Zu dritt setzen wir uns in die Sonne als Jeff mich fragt, ob ich gar nicht nervös sei. Ich schaue ihn an und sage, dass ich schon über 30 Läufe gemacht habe, da werd ich nicht mehr so schnell nervös.

Ich muss dazu sagen, dass Jeff der schnellste von uns dreien ist und sagt zu mir, dass es der erste Lauf in seinem Leben ist. Damit habe ich nicht gerechnet, denn er trainiert ziemlich viel und anscheinend auch recht gut.

Der Zeitpunkt des Startes kommt immer näher, ich bringe noch schnell meinen Beutel weg, ziehe die Flipflops aus und gehe zum Start.

Es ist ziemlich heiß, die Sonne knallt ganz schön, aber ich muss mich noch ein bisschen dehnen und konzentriere mich aufs Wesentliche.

Als ich im Block stehe, fällt mir auf, dass ich vergessen habe, etwas zu trinken und mein Salz auch im Beutel ist, statt bei mir.

In einem leichten Anfall von Nervosität frage ich ein paar Läufer, wo sie das Wasser herbekommen haben, dass sie aus einem Becher trinken. Sie zeigen auf die andere Seite des Startpunktes, wo ich jetzt niemals hinkomme. Zum Glück werde ich gefragte, ob ich einen Schluck möchte.

Gott sei dank, denn sonst hätte ich ganz schön alt ausgesehen.

Der Startschuss kommt, wir laufen los. Da ich in einem anderen Block als Jeff, Alex und Sophie bin, laufe ich alleine ganz entspannt los.

Ich sage immer, dass ich ganz entspannt los laufe und das ich den Lauf genießen will und zwei Minuten später merke ich, dass ich doch am Limit für die Situation laufe.

Mein Tempo in diesem Block ist einfach zu schnell. Ich laufe an den anderen vorbei.

Die Straße und der Asphalt ist sehr rau. Ich laufe also auf dem Bürgersteig. Da dieser aber auch sehr rau für die Füße ist, laufe ich an der Kante vom Bürgersteig. Diese 20 cm Steinkante ist nämlich nicht so rau und relativ glatt. Dort laufe ich ohne Schmerzen.

Ab und an gibt es schonmal einen Moment, wo ich mich verletzen könnte, aber an sich ist die Strecke recht sauber und ordentlich.

Es fällt mir schwer in dieser Masse zu laufen. Mich anderen zwangsweise anzupassen liegt nicht in meiner Natur, daher renne ich noch etwas schneller um aus diesen gefühlten Sumpf zu kommen.

Im Enddefekt renne ich von einer Masse in die nächste aber die Illusion, dass es besser würde, wenn ich mich nur noch etwas beeile, bringt mich nach vorne.

Da ich nur am Rand der Straße auf der Kante vom Bürgersteig laufe, bin ich meistens im Schatten. Die Sonne brennt ganz schön, es ist ziemlich heiß.

Die Straße ist mir mittlerweile auch zu rau, die Füße tun schon weh. Ich muss immer lachen, wenn ich nach wenigen Metern schon die ersten Schmerzen spüre und dann entspannt an etwas anderes denke, weil ich sonst wahnsinnig werden würde, wenn mir klar würde, was ich noch an Strecke vor mir habe.

Jetzt kommt eine Baustelle am Wegesrand. Wegtechnisch ist der Bürgersteig die angenehmere Alternative für meine Füße. Das Schreien der Helfer, dass wir auf der Straße laufen sollen, ignoriere ich gekonnt. Nachdem ich gegen den Wünschen der Helfer auf dem Gehweg laufe, sehe ich mit dem Blick nach vorn, dass die Läufer abbiegen.

Ich biege mit ab und laufe entspannt weiter. Nach ca. einem weiteren Km kommt der erste Versorgungsstand. Endlich gibt es Wasser. Ich trinke zwei oder drei Becher und kippe mir etwas über den Kopf um mich abzukühlen.

Die Sonne brennt extrem.

Zum Glück habe ich eine Mütze auf.

Nachdem ich vom Versorgungsstand komme und wieder laufe, spricht mich eine Dame wegen den fehlenden Schuhen an. Sie schaut auf meine Nummer und sagt: „Man, da bist du aber schnell gewesen“. Ich schaue sie verwundert an und frage wieso?, sie sagt, weil hier schon Km 16 für die 25 Km Läufer ist.

Da ich seit ca. 40 Minuten laufe scheint da wohl etwas schief gelaufen zu sein.

Sie sagt mir, dass ich an der Weggabelung falsch abgebogen sein muss. Ich überlege und denke mir, das muss doch dort gewesen sein, wo die Baustelle war.

Eine einzige Baustelle und ich verlaufe mich. Sofort kommt mir das Grinsen und ich denke mir, dass ich garantiert wieder alle tod lachen, wenn sie hören, dass ich mich schon wieder verlaufen habe.

Aber gut, dann werden es heute nur 10. Meine Füße danken es mir schonmal, denn ehrlich gesagt, ist der Asphalt schon ganz schön rau für die Füße.

Mittlerweile bin ich bei Km 8 angelangt. Jetzt geht es wieder zum Olympiastadion und die Vorfreude steigt. Allerdings sagte mir Alex schon vor dem Lauf, dass wir im Stadion noch eine schön Runde drehen müssen.

Über einen Schotterweg geht es zum Lieferanteneingang ins Stadion.

Das ist zu viel für meine Füße. Ich muss langsam über den Schotter gehen. Die Steine stechen sehr doll, zumal die Füße auch schon recht stark in Mittleidenschaft gezogen wurden.

Jeder Schritt tut weh. Ich schaue immer wieder nach Lösungen oder Umwege, aber es gibt keine. Auch dieses Mal laufe ich an der Seite, weil die ganzen Läufer natürlich an mir vorbei rennen.

An der Seite sind aber die ganzen Sträucher und Bäume. Immer wieder muss ich mich bei Sträuchern und Ästen bücken und streife mit meinen Beinen Sträucher und Brennnesseln.

Immer wieder beiße ich die Zähne zusammen aber es wird auch mit jedem Schritt weniger.

Schritt für Schritt, aber es ist bald vorbei.

Ich sehe das Ende des Schotterweges und renne wieder los. Durch die Zwangspause habe ich wieder Kraft getankt und renne was die Beine her geben.

Von weitem sehe ich den Lieferanten Eingang. Knallende Trommelschläge ertönen. Es ist eine wahnsinnig tolle Atmosphäre sogar in diesem Eingang, der mehr wie ein Parkhaus aussieht. Der Untergrund ist so rau, dass ich nicht mehr laufen möchte.

Mir tun die Füße weh. Auch wenn alle an mir vorbei rennen, gehe ich, schnell aber bewusst.

Der endlos scheinende Tunnel hat ein Ende. Endlich sehe ich den Eingang zur 400 Meter Bahn im Olympia Stadion.

Als ich die Bahn betrete fühlt es sich an wieder Himmel persönlich. Die letzten 400 Meter. Was für eine beeindruckende Kulisse.

Tausende Menschen innerhalb des Stadions und auf den Rängen. Der Boden ist weich wie ein Teppich also gebe ich nochmal richtig Gas. Ich komme ins Ziel und bekomme endlich meine Medaille.

Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke, dass ich mich sogar bei so einem großen und phantastisch organisierten Lauf verlaufen kann, wer hätte es gedacht :D?

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