Barfuß Trainingslauf im Chaos von Friedrichshain (Freitag – 6.10.2017)

Nach dem gestrigem Abendsturm, bei dem der „Gute-Nacht-Lauf“ in Berlin Moabit leider abgesagt werden musste, war meine Stimmung mäßig.

Das Dumme war, dass ich deswegen extra nicht am Morgen laufen war und mich schon den ganzen Tag drauf gefreut habe. Nachdem ich dann vernahm, dass der Lauf abgesagt wird, weil es draußen sehr sehr stürmisch ist, war ich ein bisschen verknirscht.

Also heute wieder!

Ich komme auf die Straße. Es ist 9 Uhr. Es regnet und ist immer noch ziemlich windig. Ich friere und beginne schnell zu laufen, damit mir wärmer wird. Die Straßen und Wege sind voll von kleinen und großen Ästen, die am gestrigen Abend und eventuell in der Nacht vom Sturm herunter gerissen wurden.

Der Friedrichshain (Volkspark) ist eine einzige (Natur-) Wunde. Überall sind kleine und große (monströse) Äste auf den Wegen. Es sieht schlimm hier aus. Jedes Mal wenn ich sowas sehe, denke ich darüber nach, wie es wäre, wenn man aus Versehen mal im Park ist und schon kommt so ein riesiges Teil herunter. Wenn so ein Ast, der bestimmt 30 Kg wiegt und aus 3 bis 5 Metern runter kommt, ist es schneller vorbei als man denkt.

Doch die Stimmung lässt sich nicht drücken. Es laufen trotzdem viele Menschen und sind glücklich, selbst in diesem Zustand. Das leichte Chaos, das den Park ziert überträgt sich nicht auf die Gemüter der Menschen, das macht mich glücklich.

Davon lasse ich mich gern anstecken und springe über die Äste wie über Hindernisse, so habe ich meinen eigenen kleinen Hindernislauf. Die riesigen Äste sind nicht ungefährlich, vor allem ohne Schuhe, also muss ich aufpassen. Meistens sieht man ja die großen Hindernisse, aber oft sind es auch die kleinen, die einem richtig weh tun können.

Aber wenn ich gestern schon nicht laufen konnte, kann ich heute dafür doppelt so fröhlich umherspringen. 😀

Auch die Pfützen machen mir wieder großen Spaß. Ich springe voller Freude in jede Pfütze und laufe wie ein junger Gott. Ein bis zwei Tage Pause zwischendurch geben mir viel viel Kraft.

Jetzt weiß ich, was ich gestern vermisst habe.

Gut und ohne Probleme komme ich durch. Aber das schönste kommt, als ich zurück will.

Ich pflücke ja immer Brennnesseln für einen grünen Smoothie zum Frühstück. Heute habe ich meine Tüte vergessen, in der ich die Brennnesseln immer hineinlege.

Mein Gedanke: „egal, dann nehm ich den Strauch eben so in die Hand“.

Der Blick der Leute ist unbezahlbar. Ich kann mich so richtig in die Leute hineinversetzen.

Es regnet und da kommt so ein Wahnsinniger, ohne Schuhe mit zwei riesigen Sträuchern Brennnesseln in der Hand an. Innerlich lache ich mich tot, wenn ich die Blicke der Leute sehe.

Das geht tatsächlich so bis ich zu Hause ankomme.

Also für heute ist die gute Laune gesichert.

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